Chronik

1751 – vierzehn Jahre sind es her, daß Elias Eller mit seinen Anhängern in die Ronsdorfer Mulde zieht, um sich dort anzusiedeln. Acht Jahre später schon erhält der kleine Ort Stadtrechte, obwohl er kaum mehr Einwohner zählt als ein etwas größeres Dorf. Und damit noch nicht genug: weitere zwei Jahre später besucht Churfürst Carl Theodor diese jüngste Stadt seines Herzoglums – eine Ehre, die nicht mancher Stadt zuteil wurde.

In diesem eingangs genannten Jahr 1751 wird von Johann Werner Knevels in einer Schrift erwähnt: „Eine kleine Apotheck ist zwar zu finden, der Apothecker hat aber so wenig zu tun, daß er einstmalen, wolle er nicht Hungers sterben, zum Brodbacken sich bequemen mußte.“ Wann diese Apotheke tatsächlich gegründet wurde, wie lange sie bestanden hat, und ob es einen lückenlosen Übergang zu der 1798 von Johann Friedrich Lobe er-
öffneten Apotheke, die später den Namen Hirsch – Apotheke annimmt, gibt, ist mir nicht bekannt. Geht man aber von dieser erstmaligen Erwähnung einer Apotheke in Ronsdorf aus,  so kann das hiesige Apothekenwesen , und damit vor allem die heutige Hirsch – Apotheke, die bis
1922 die einzige Apotheke in Ronsdorf war, in diesem Jahr auf eine 250jährige Tradition zurückblicken. Und noch eins scheint mir in dem Zusammenhang erwähnenswert: In den Ämtern Bornefeld, Beyenburg, Elberfeld und Solingen wurden bis in die Preußenzeit, d.h. bis zum Jahre 1815 nur sieben Apotheken gegründet, und dazu gehörte auch die Ronsdorfer Apotheke. In Ronsdorf hatte man also schon sehr früh die Bedeutung einer Apotheke für das Gesundheitswesen erkannt, und es ist durchaus gerechtfertigt, in der heutigen Hirsch – Apotheke den Traditionsträger im hiesigen Apothekenwesen zu sehen ihrer Geschichte und Entwicklung einmal nachzuspüren.

Meine eigenen Erinnerungen an die Hirsch – Apotheke gehen bis etwa 1934/1935 zurück. Damals war die Treppe zum Hochparterre, die bei den meisten Bergischen Häusern dem Haus vorgebaut war, schon im Haus verlegt. Wenn man diese Treppe hinaufstieg, prangte an der Wand ein Hirschkopf mit einem mächtigen Geweih, dem Symbol der Apotheke. Betrat man dann den Raum, so stand man vor der Verkaufstheke und einem riesigen Regal. Eng aneinander gereiht befanden sich dort die Glasbehälter mit den verschiedenen Bestandteilen und Essenzen, aus denen der Apotheker die jeweilige Medizin zusammenstellte. Das war für mich ein beeindruckendes Bild. Aber noch stärker hat sich meiner Erinnerung etwas anderes eingeprägt, und das war der Apotheker selbst. Der war nämlich stark schwerhörig und da es damals noch keine modernen elektronischen Hörgeräte gab, nutzte er ein Hörrohr, das er ans Ohr hielt, und in das man hineinsprechen mußte.

Dies alles gehört der Vergangenheit an. Wie die anderen Häuser um den Marktplatz sank die Apotheke beim Luftangriff in Schutt und Asche und nach dem Krieg entstand dann unter dem Apotheker Otto Sabel die Apotheke, wie sie sich uns heute darbietet und in der die Tradition der alten Hirschapotheke in guter Weise fortgesetzt wird.

Im Oktober 2001     Günter Konrad


Die Vorläuferin der Hirsch – Apotheke

Alte Apotheken – Stube
So komfortabel dürfte die erste Ronsdorfer Apotheke nicht ausgesehen haben

um 1751 Wie Johann Werner Knevels schreibt, soll es in Ronsdorf eine kleine Apotheke gegeben haben, die aber so unbedeutend war, daß sie zum Lebensunterhalt des Apothekers nicht ausreichte. Näheres, insbesondere darüber, wann die Apotheke gegründet wurde und wie lange sie bestanden hat, ist nicht bekannt.


Apotheker – Waage

1798
Johann Friedrich Lohe erhält das Privileg zum Betrieb einer Apotheke in Ronsdorf. Er kauft ein Haus in der heutigen Ronsdorfer Marktstraße und richtet darin eine Apotheke ein, die wahrscheinlich noch im gleichen Jahr eröffnet worden ist. Hiermit beginnt die eigentliche Geschichte der Hirsch – Apotheke.


Mörser – noch heute gebrauchte Geräte

1811
Dr. Bischoff und Apotheker Stucke führen eine der regelmäßigen Visitationen der Apotheke durch, die wie auch
in den Vorjahren sehr positiv verläuft. In den Vorjahren wurde die Apotheke als „ganz tadellos in Hinsicht der Locale und ihrer Einrichtung, bis hin zu
der Materialstube, wie in Hinsicht aller vorrätigen Arzneien“ beurteilt.


1821
Kurz vor der Visitation durch Dr. Sonderland und Apotheker Korte aus Solingen wird die Apotheke lt. Vertrag vom 1.9.1821 an Carl Hengstenberg aus Ratingen verkauft. Grund dieses Verkaufs ist der Tod von Frau Lohe, die den Apotheker veranlassen, auf seine Konzession zu verzichten und sich in den Ruhestand zurückzuziehen. Die Visitation ergibt keine besonderen Beanstandungen. Dem Gehilfen Holtmann werden sogar gute Kenntnisse attestiert.

Der Oberpräsident in Köln genehmigt die Weiterführung der Ronsdorfer Apotheke durch Carl Hengstenberg. Der Übergang wird auf den 1.1.1822 festgesetzt.


1834
Carl Hengstenberg verkauft seinen gesamten Besitz zum Preis von 18.000 Taler an den Apotheker Ludwig Peters aus Langenberg. Dieser erhält am 24.3.1834 die Konzession zur Führung der Ronsdorfer Apotheke, die inzwischen Hirsch – Apotheke genannt wird. Ab wann dieser Name verwandt wird, ist nicht festzustellen. Der hohe Kaufpreis läßt vermuten, daß die Apotheke sehr rentabel war, was noch dadurch erhärtet wird, daß stets ein Gehilfe beschäftigt wurde.


1837
Die von Kreisphysikus Dr. Bergmann und Apotheker Rosier durchgeführte Visitation der Hirsch – Apotheke ergibt ein ausgesprochen positives Bild. Die Apotheke wird als gut eingerichtet, hell, ordentlich und sauber bezeichnet. Der beschäftigte Gehilfe Karl Leuken konnte die Visitoren durch gute Fachkenntnisse beeindrucken.


Die Marktstraße – wie sie einmal war

1853
Hugo Harnisch erwirbt die Ronsdorfer Hirsch – Apotheke. Wenig später wird er Mitglied der Ronsdorfer Sanitätskomission.


Die Hirsch – Apotheke an der Marktstraße um 1912

1867
August Friedrich Kostka aus Trier erhält die Apotheken-Konzession in Ronsdorf und erwirbt die Hirsch – Apotheke.


Fritz Kostka

1886
August Friedrich Kostka verstirbt am 2.6.1866. Zu seinen Ehren erscheint in der Pharmazeutischen Zeitung ein Nachruf, in dem seine besonderen Verdienste um die Homöopathie und die Ausbildung von Apothekerlehrlingen hervorgehoben werden. Seine Witwe erhält auf Antrag am 21.9.1886 die Erlaubnis,
die Apotheke mit Verwaltern weiterzuführen, bis Sohn Fritz sie 1902 übernehmen kann.


Die Hirsch – Apotheke nach 1928

1924
Apotheker Fritz Kostka verstirbt. Seine Witwe behält die Konzession und treibt die Apotheke mit approbierten
Verwaltern weiter. Letzter Verwalter von 1936 bis 1941 ist Alexander Ludwig Arens.


1941
Nach zwei Generationen im Eigentum der Familie Kostka geht die Hirsch – Apotheke an Arthur Gruschka über.


1943
Beim Luftangriff in der Nacht vom 29. zum 30.05 wird die gesamte Ronsdorfer Innenstadt zerstört
und so fällt auch die Hirsch – Apotheke den Bomben zum Opfer.


Apotheker Otto Sabel

1948
Apotheker Otto Sabel erwirbt das Grundstück Marktstraße 22 und die damit verbundene Konzession zum Betreiben einer Apotheke.


Die Hirsch – Apotheke ist das erste wieder aufgebaute Haus an der Marktstraße

1949
Am 1. September eröffnet Otto Sabel mit zwei Mitarbeiterinnen die wieder aufgebaute Hirsch – Apotheke.


Ein gutes Team

1974
Gemeinsam mit ihrem Ehemann übernimmt die Apothekerin Gisela Herberg, geb. Sabel, von ihrem Vater die Hirsch – Apotheke.